Ein Website-Relaunch soll alles besser machen: modernes Design, schnellere Seiten, mehr Anfragen. Leider geht dabei erstaunlich oft etwas verloren – vor allem das, was man nicht sieht. Alte Adressen führen ins Leere, Google findet bekannte Seiten nicht mehr, und die Besucherzahlen brechen in den ersten Wochen nach dem Start ein. Das ist fast immer vermeidbar.
Diese Checkliste zeigt, worauf es vor, während und nach dem Relaunch ankommt. Sie ist so geschrieben, dass Sie sie mit Ihrem Dienstleister Punkt für Punkt durchgehen können.
Vor dem Relaunch: Bestandsaufnahme
Der wichtigste Teil eines Relaunchs passiert, bevor eine einzige neue Seite gestaltet wird.
- Ziele festlegen: Was soll die neue Website besser machen? Mehr Anfragen, einfachere Pflege, bessere Auffindbarkeit, Barrierefreiheit? Ohne klares Ziel lässt sich am Ende nicht sagen, ob der Relaunch gelungen ist.
- Alle bestehenden Adressen erfassen: Eine vollständige Liste aller URLs der alten Website, inklusive Bilder und PDFs. Sie ist die Grundlage für die Weiterleitungen.
- Erfolgreiche Seiten identifizieren: Welche Seiten bringen Besucher über Google, welche werden verlinkt, welche erzeugen Anfragen? Die Google Search Console und Ihre Statistik liefern diese Daten. Diese Seiten sind besonders schützenswert.
- Inhalte bewerten: Was wird übernommen, was überarbeitet, was gestrichen? Veraltete Inhalte dürfen gehen – aber nur mit Weiterleitung.
- Ausgangswerte sichern: Besucherzahlen, Platzierungen für wichtige Suchbegriffe, Ladezeiten. Nur so lässt sich nach dem Start vergleichen.
- Zugänge klären: Domain, DNS, Hosting, E-Mail, Search Console, Google-Unternehmensprofil. Wer hat welche Zugangsdaten? Fehlende Zugänge sind der häufigste Grund für Verzögerungen am Starttag.
Während der Umsetzung: Struktur und Technik
- Neue Seitenstruktur planen: Klare Navigation, sprechende Adressen, jede wichtige Leistung mit eigener Seite. Hier entscheidet sich, wie gut die neue Website gefunden wird.
- Weiterleitungsplan erstellen: Für jede alte Adresse eine neue Zieladresse, eingerichtet als dauerhafte Weiterleitung (Statuscode 301). Nicht alles auf die Startseite – jede alte Seite soll auf ihren inhaltlichen Nachfolger zeigen.
- Inhalte für Suchmaschinen sauber übernehmen: Seitentitel, Beschreibungen, Überschriften und Bild-Alternativtexte für jede Seite. Mehr dazu unter OnPage SEO.
- Testumgebung schützen: Die neue Seite während der Entwicklung mit Passwort oder Noindex-Anweisung schützen, damit Google keine halbfertige Kopie indexiert.
- Technische Grundlagen: HTTPS, saubere Weiterleitung von www auf ohne www (oder umgekehrt), XML-Sitemap, robots.txt, Canonical-Angaben. Mehr dazu unter Technical SEO.
- Ladezeiten von Anfang an mitdenken: Bildgrößen, Schriftarten, Skripte. Nachträglich zu optimieren ist teurer. Siehe Ladezeiten verbessern.
- Barrierefreiheit einplanen: Ein Relaunch ist der günstigste Moment, die Anforderungen des BFSG umzusetzen. Wie Sie das prüfen, zeigt der Ratgeber Barrierefreie Website testen.
- Rechtliches prüfen: Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Situation. Wer beim Relaunch auf unnötiges Tracking verzichtet, spart sich unter Umständen den Banner – mehr im Artikel Ist ein Cookie-Banner Pflicht?.
Am Starttag: Go-Live
- Zeitpunkt wählen: Nicht am Freitagnachmittag und nicht vor dem Urlaub. Am besten an einem ruhigen Werktag vormittags, wenn alle Beteiligten erreichbar sind.
- Noindex entfernen: Der Klassiker unter den Relaunch-Pannen. Die Sperre aus der Testphase muss auf der Live-Seite raus.
- Weiterleitungen testen: Stichproben aus der alten URL-Liste aufrufen, besonders die wichtigsten Seiten. Jede muss mit einer 301-Weiterleitung auf der richtigen neuen Seite landen.
- Formulare testen: Jede Anfrage einmal selbst abschicken und prüfen, ob sie ankommt.
- Sitemap einreichen: Die neue Sitemap in der Google Search Console hinterlegen.
- Verknüpfte Profile aktualisieren: Google-Unternehmensprofil, Branchenverzeichnisse, Social-Media-Profile, E-Mail-Signaturen.
Nach dem Relaunch: die ersten Wochen
- Search Console beobachten: Gibt es Fehlerseiten, Indexierungsprobleme oder Warnungen? In den ersten zwei bis vier Wochen täglich hineinschauen.
- Fehlerseiten nachbessern: Für jede 404-Seite, die noch Besucher bekommt, eine passende Weiterleitung ergänzen.
- Mit den Ausgangswerten vergleichen: Ein leichter Rückgang in den ersten Tagen ist normal, solange Google die neue Struktur verarbeitet. Bleibt er nach einigen Wochen bestehen, stimmt etwas mit Weiterleitungen oder Inhalten nicht.
- Feedback einholen: Kunden und Mitarbeiter fragen, ob sie finden, was sie suchen.
Die Checkliste in Kurzform
| Phase | Wichtigste Punkte |
|---|---|
| Vorher | Ziele, URL-Liste, Top-Seiten, Ausgangswerte, Zugänge |
| Umsetzung | Struktur, 301-Plan, SEO-Angaben, Testumgebung schützen, Technik, Ladezeit, Barrierefreiheit, Rechtliches |
| Starttag | Noindex raus, Weiterleitungen und Formulare testen, Sitemap einreichen, Profile aktualisieren |
| Danach | Search Console, Fehlerseiten nachbessern, Werte vergleichen |
Was kostet ein Website-Relaunch?
Ein Relaunch kostet in der Regel etwa so viel wie eine neue Website vergleichbarer Größe – plus den Aufwand für Bestandsaufnahme, Inhaltsübernahme und Weiterleitungen. Wie hoch das ausfällt, hängt vor allem von der Zahl der Seiten und vom Zustand der Inhalte ab. Typische Preisspannen nennt der Ratgeber Was kostet eine Website?.
Ein Relaunch ist auch der richtige Moment, das System zu überdenken. Wer bisher mit WordPress und vielen Plugins gekämpft hat, findet im Ratgeber WordPress-Alternativen andere Wege.
Häufige Fragen
Verliere ich durch einen Relaunch meine Google-Platzierungen?
Nicht, wenn Weiterleitungen und Inhalte sauber übernommen werden. Kurzfristige Schwankungen sind normal. Dauerhafte Verluste entstehen fast immer durch fehlende Weiterleitungen, gelöschte Inhalte oder eine vergessene Noindex-Sperre.
Wie lange dauert ein Relaunch?
Das hängt vom Umfang ab und vor allem davon, wie schnell Inhalte und Entscheidungen vorliegen. Eine kleine Unternehmenswebsite ist oft in wenigen Wochen umgesetzt, größere Auftritte brauchen entsprechend länger.
Kann ich die Domain beim Relaunch wechseln?
Ja, aber es ist ein zusätzliches Risiko. Dann müssen alle Adressen der alten Domain auf die neue weitergeleitet werden, und die alte Domain muss dauerhaft weiterlaufen. Wenn es keinen zwingenden Grund gibt, bleiben Sie bei der bestehenden Domain.
Fazit: Ein guter Relaunch beginnt mit der alten Website
Die meisten Relaunch-Probleme entstehen nicht beim Design, sondern beim Übergang: fehlende Weiterleitungen, verlorene Inhalte, vergessene Einstellungen. Wer die alte Website gründlich erfasst und den Start sorgfältig prüft, gewinnt mit dem neuen Auftritt, statt erst einmal zu verlieren.
Bei mattschach planen wir den Website-Relaunch in klar abgegrenzten Schritten mit Festpreis – von der Bestandsaufnahme bis zur Kontrolle nach dem Start. Schreiben Sie uns, wenn Sie einen Relaunch vorhaben.